Eva Leitolf »

Postcards from Europe 10/14

<a href="http://www.mdf-berlin.de" target="_blank">6. Monat der Fotografie Berlin</a>

Exhibition: 18 Oct 2014 – 14 Dec 2014
Opening: 17 Oct 2014, 18 – 21

Postcards from Europe 10/14
Eva Leitolf: aus "Postcards from Europe 10/14", Archivpigemntdruck auf Tecco PFR 295 auf Archivkarton, 83,5 x 68,6 cm, Text. Ed. 7 + 1 AP, , PfE-3456-IT-281012­, , Palazzo Selam, Rom, Italien 2012, , In einem seit 2006 besetzten ehemaligen Gebäude der Universität Rom , leben im November 2012 835 zumeist anerkannte Flüchtlinge aus Somalia, , Eritrea, Äthiopien und Sudan. Ärzte der Organisation Cittadini del Mondo, , die die von der Stadtverwaltung geduldeten Besetzer ehrenamtlich betreuen, stellen , bei den Bewohnern wiederholt Krankheiten fest, die sich auf die unzureichende , sanitäre Infrastruktur zurückführen lassen., Laut Angaben der Stiftung Integra/Azione bräuchten in Rom 6000 Flüchtlinge , eine Unterkunft, die Stadt stelle aber nur 2200 von landesweit 3150 eingerichteten , Plätzen bereit. Bereits 2011 legt in Deutschland der Anwalt eines somalischen , Asylbewerbers nahe, dass die italienischen Behörden mit einer Verelendungsstrategie , versuchten, eine Verteilung von Flüchtlingen auf die anderen EU-Staaten durchzusetzen. , Am 2. Juli 2012 entscheidet das Verwaltungsgericht Stuttgart dass eine palästinensische , Familie nicht nach Italien überstellt werden darf, da ihr dort aufgrund systemischer , Mängel des Asylverfahrens menschenunwürdige Behandlung drohe. Das Bundesamt für , Migration und Flüchtlinge will die bisherige Rückführungspraxis beibehalten, da Italien, trotz Mängel über ein funktionierendes Asylverfahren gemäß den Standards , der Europäischen Union verfüge., , Pro Asyl, The Living Conditions of Refugees in Italy, Februar 2011; Süddeutsche Zeitung, 9.5.2011; , Verwaltungsgericht Stuttgart, Pressemitteilung vom 12.7.2012 (A 7 K 1877/12); , Spiegel Online, 13.7.2012; The New York Times, 26.12.2012; Homepage Cittadini del Mondo, 31.12.2012, ,

Eva Leitolf
"Postcards from Europe 10/14"
work from the ongoing archive, seit 2006


Ausstellung: 18. Oktober bis 30. November 2014
Eröffnung: 17. Oktober 2014, 18 – 21 Uhr

No Signs Of Crime: Künstlergespräch am 31. Oktober, 19 Uhr
Prof. Bernd Stiegler, Universität Konstanz, im Gespräch mit Eva Leitolf über Möglichkeiten und Grenzen der Darstellbarkeit von Bild und Text.

Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin.

Das von Eva Leitolf im Jahr 2006 begonnene Projekt "Postcards from Europe" versammelt Fotografien und Texte zu unterschiedlichsten Konfliktfällen vor dem Hintergrund globaler Migration. Leitolfs Interesse am Umgang mit Flüchtlingen an den Außengrenzen und innerhalb der Europäischen Union – in Spanien und Marokko, in Süditalien, Ungarn, in den Hafenstädten Dover und Calais sowie in Deutschland und Österreich – gilt dabei Momenten abseits der Berichterstattung, wie wir sie aus den Medien kennen. Zwar bildet die Künstlerin fotografisch jene Orte ab, an denen sich Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Gewalttaten ereignet haben, doch zeigen Eva Leitolfs Fotografien diese Orte menschenleer und teilweise sogar frei von jeglicher Zivilisation. Die damit geradezu "ereignislose" Fotografie begleitet je Bild ein nüchterner Text, der den konkreten Tatbestand schildert. Erst im Zuge des Lesens wird deutlich, weshalb der fotografierte Ort überhaupt bildwürdig wurde.

Eva Leitolfs künstlerisches Verfahren unterwandert damit das seit den Anfängen der Fotografie bekannte Beharren auf die weltumspannende Allgemeinverständlichkeit des Mediums – ohne jegliche Vorbildung. In Frage stehen damit die dem Medium zugeschriebene Objektivität sowie der Glaube daran, die Fotografie gebe auch sicher Informationen wieder, die kein weiteres Wissen über ihren Entstehungszusammenhang benötigt. In Frage gestellt sind damit zudem die gängigen Regeln und Formalisierungen der medialen Berichterstattung zum konkreten und momentan allgegenwärtigen Thema des Schicksals von Flüchtlingen. Leitolf verweigert sich konsequent dem Schock, den Bilder von Gewalt auslösen können, und verfolgt stattdessen eine Fotografie, die den medialen Regeln entkommt. Eva Leitolfs Fotografien erhalten ihre Bedeutung gerade dadurch, dass sie sich einer einfachen Moral, Parteinahme und Verwertung entziehen.

Die begleitenden Texte zu den Fotografien sind Ergebnisse von Eva Leitolfs Recherchen, wobei die Künstlerin auf unterschiedlichste Quellen zugreift: dem Studium von Nachrichten und Polizeiakten, ihren Gesprächen mit Migranten, Opfern, Vertretern von Hilfsorganisationen und Ansässigen vor Ort. Die im Stil sachlich knapper Schilderung formulierten Textprotokolle bedienen, gleich den Fotografien, ebenso wenig den Affekt des Entsetzens angesichts unwürdiger und asozialer Verhältnisse oder unmenschlicher Ereignisse im Kontext von Krieg, Flucht und Asyl. Sie beschreiben vielmehr Verhalten, Strukturen und Verfahren als Ursache und Bedingung des konkreten Konflikts.

Eva Leitolf studierte an der Universität GH Essen und am California Institute of the Arts. Ihre Arbeiten, u. a. die zwischen 1992 und 2008 entstandene Serie "Deutsche Bilder – eine Spurensuche", "Rostock Ritz" (2004) und "Postcards from Europe" (seit 2006) wurden mit renommierten Preisen ausgezeichnet und waren Gegenstand zahlreicher Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.

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