ECHOES OF WAR
Vintage-Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg
"ECHOES OF WAR"
Vintage-Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg
kuratiert von Benita Suchodrev
Ausstellung: 7. Mai bis 24. Juni 2015
Eröffnung: Mittwoch, 6. Mai, 18 Uhr
Die Ausstellung "ECHOES OF WAR" zeigt ausgewählte fotografische Originalaufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die erstmals in einem künstlerischen Kontext zu sehen sind.
Die historischen Fotografien erzählen individuelle Geschichten und nehmen unterschiedliche Blickwinkel ein – sowohl was Ort und Anlass ihrer Entstehung betrifft, als auch in Bezug auf ihre Provenienz. Die Aufnahmen stammen vor allem aus Deutschland, England, Frankreich, Polen, Russland und den USA. Sie bilden den Grundstock der fotografischen Vintage-Sammlung der Fotografin Benita Suchodrev.
Erworben auf Auktionen, im Rahmen privater Recherchen bei Zeitzeugen und Sammlerkollegen sowie auf Flohmärkten in zahlreichen Ländern konnte die russisch-amerikanische Fotokünstlerin Benita Suchodrev einen Schatz von persönlichen Erinnerungen heben, der zeitgeschichtliche Einblicke gewährt und die Auseinandersetzung mit der Erfahrung des Kriegs befördert. Zu sehen sind Fotografien von professionellen Kriegsberichterstattern, Soldaten und Privatpersonen, die seltene Aufnahmen aus Flugzeugen, Bilder von öffentlichen Hinrichtungen, Fallschirmspringer kurz vor der Landung, sowjetische und deutsche Kindersoldaten und den Alltag sowie die Nachkriegszeit in den zerbombten Städten zeigen.
Die meisten dieser Aufnahmen dokumentieren einen privaten, subjektiven Blick auf die Begebenheiten der Zeit, keinen politisch-militärischen. Gezeigt werden Fotografien, die dem Blick jener Augen folgen, welche die Geschehnisse beobachtet haben. Es geht um die Menschen, die die Ereignisse verursacht, erlitten, erlebt haben und die politisch und strategisch wichtige Aufnahmen als auch flüchtige und poetische Momente im Bild erfasst und für die Geschichte festgehalten haben. Die ausgewählten Motive werden zusammen mit den rückwärtig angebrachten Beschreibungen gezeigt, deren Wortwahl eine weitere Ebene des Bildausschnitts eröffnen. So sind ebenso propagandistische Gedanken wie oft sehr persönliche Widmungen auf der Rückseite von Privataufnahmen zu finden.
Zusammengestellt und kuratiert aus Sicht einer Künstlerin und Fotografin ergeben sich neue Zusammenhänge, die nicht streng wissenschaftlich konnotiert sind, sondern die Schrecken und lichten Momente, das Bemühen um Bildästhetik unter barbarischen Umständen und die Sichtweisen von einer Welt im Kriegszustand dokumentieren.
In einem zweiten Teil der Ausstellung werden die Vintage-Fotografien durch historische Porträtaufnahmen ergänzt, die – künstlerisch bearbeitet – einen doppelten Blick erlauben. Sie sind als Antwort der Fotokünstlerin Benita Suchodrev auf das gefundene Material aufzufassen, das Echo des Kriegs in unsere heutigen Sicht- und Sehweisen zu überführen.
Die teils überblendeten, teils invers gewandelten Aufnahmen spielen mit der Nähe und der Ferne, mit den uns bekannt erscheinenden Posen und Stilen, mit der Optik von Filmstills und dem Wissen um die Zeitlichkeit der Bilder. Zum Teil entsprechen die Portraits der damals als modern geltenden Fotoästhetik, zeigen ernste, entschlossene, aber auch forsche und frech dreinblickende Gesichter. Andere Aufnahmen erinnern an einen Umgang mit dem "Selbst", die eine frappierende Ähnlichkeit zu heutigen "Selfies" aufweisen.
Die Vielschichtigkeit der fotografischen Porträts wird durch einen hinzugefügten Doppelungseffekt herausgearbeitet, der durch eine spezielle Lichtkastenkonstruktion eine veränderte Wahrnehmung eröffnet. Die neu geschaffenen Werke werden in einem verdunkelten Nebenraum präsentiert.
Die Ausstellung will weder eine politische Aussage machen noch die Grausamkeit des Krieges übertünchen. Vielmehr möchte sie eine Auswahl subjektiver, privater Blicke der Menschen präsentieren, die diese Fotos gemacht haben. Gleichsam als in Bildern erzählte Geschichten, deren Echo bis in die Gegenwart reicht.
"Viele von uns kennen noch Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebten. Wir haben Geschichten gehört, Briefe gelesen, Fotos angeschaut und sind in der Schule oder durch das Fernsehen über diese Zeit informiert worden. Wir, die Nachkriegsgeneration, haben viele Eindrücke sammeln können, doch diese sind lediglich Echos; sekundäre Erscheinungsformen, die niemals so klar und eindeutig wahrgenommen werden können wie die ersten Klänge. Dennoch dienen diese Echos als Erinnerung und Bestätigung dafür, dass es diese ersten Klänge wirklich gab." (Benita Suchodrev)
Die Vernissage wird von einem Vortrag der Fotohistorikerin, Kuratorin und Autorin Frau Dr. Petra Bopp ergänzt. Frau Dr. Bopp wird unter anderem erläutern, was "ECHOES OF WAR"" von üblichen Fotoausstellungen über den Zweiten Weltkrieg unterscheidet und welche Wirkung eine ästhetische im Gegensatz zu einer wissenschaftlich orientierten, kuratorischen Herangehensweise hat, sowohl an das Thema als auch auf den Betrachter. Bei der Vernissage wird außerdem ein Zeitzeuge den Ausstellungsbesuchern persönliche Erinnerungen und Geschichten erzählen.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren:
ECHOES OF WAR
274 Seiten, 245 Abbildungen (von Originalaufnahmen in Schwarzweiß und Sepia)
65 EUR
Der Katalog kann während und nach der Ausstellung bei Blick.Macht.Bild – Atelier für Fotografie erworben werden:
Tel. 030 9150 5222
mail@blickmachtbild.com
Leseprobe hier: Katalog_Preview.pdf
Weitere Informationen: ivintagenow.com
blickmachtbild.com
BenitaSuchodrev.com