Die Stadt. Vom Werden und Vergehen

Exhibition: 4 Nov 2010 – 23 Jan 2011

Die Stadt. Vom Werden und Vergehen
Heinrich Voelkel/OSTKREUZ: "Destroyed four-story mosque in the center of Gaza", aus der Serie "the terrible city" © 2010 OSTKREUZ Agentur der Fotografen, Berlin und Autoren.

DIE STADT. VOM WERDEN UND VERGEHENOSTKREUZ AGENTUR DER FOTOGRAFENKUNSTFOYER DER VERSICHERUNGSKAMMER BAYERN4. November 2010 bis 23. Januar 2011täglich 9 – 19 Uhr, an gesetzlichen Feiertagen geschlossen, Katalog-Vorwort von Marcus Jauer:„Es gab vor einiger Zeit einen Tag, an dem übertrat die Menschheit eine Grenze und hat es nicht einmal bemerkt. Nichts war danach anders geworden, und doch hatte sich etwas verändert. Es war der Tag, an dem von nun an mehr Menschen in der Stadt lebten als auf dem Land. Die Geschichte dieses Tages reicht mehr als zehntausend Jahre zurück in die Zeit, als die erste Stadt gegründet wurde. Vielleicht lag diese Stadt in Kleinasien, vielleicht im Zweistromland, vielleicht in Indien. Ganz sicher war sie am Anfang nicht mehr als ein Punkt in der Landschaft. Ein Ort für Menschen, die mit ihrer Sehnsucht nach Wohlstand, Sicherheit und Freiheit nicht allein bleiben wollten. Sie suchten die Gemeinschaft, weil sie glaubten, dass sich diese Sehnsucht in einer Gemeinschaft besser erfüllen ließ. Das war die Idee. So hat es begonnen. Heute prägt die Stadt das Gesicht des Planeten und jedes seiner Kontinente. In Afrika wächst die Stadt am schnellsten, in Asien beherbergt sie die meisten Menschen, in Europa hat sie sich am weitesten ins Land hinaus gearbeitet. Inzwischen gibt es auf der Erde dreißig Städte, die mehr als zehn Millionen Einwohner haben und Megastädte genannt werden. Seit dem Jahr 2008 leben nun mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land, so sagt es der Bevölkerungsbericht der Vereinten Nationen. Aber damit geht die Geschichte dieses Tages nicht zu Ende. Es beginnt nur ein neues Kapitel. Die Stadt ist schon lange mehr als nur ein Punkt in der Landschaft. Sie birgt die Zukunft der Welt. Sie ist der Ort, an dem das Schicksal der Menschheit verhandelt wird. Was der Stadt geschieht, das geschieht auch uns. In der Stadt stößt aufeinander, was sich auf dem Land aus dem Weg gehen konnte oder nie begegnet wäre. Sie versammelt größte Armut und ist doch oft die einzige Chance, ihr zu entfliehen. Sie zeigt, welche Macht Planung entwickeln und wie sich diese in Ohnmacht verlieren kann. Sie gibt allen das Gefühl, einem Ganzen anzugehören und hält doch jedem vor, dass ihre Teile nichts miteinander zu tun haben. Sie bietet Nähe und schafft Anonymität. Sie ist alles und sein Gegenteil, zur gleichen Zeit, am gleichen Ort. Es ist an der Zeit, sich ein Bild von dieser Stadt zu machen, die überall sein könnte, aber auf keiner Landkarte verzeichnet ist. Es ist an der Zeit, die Merkmale zu bestimmen, in denen sie sich offenbart, die Kräfte zu erkennen, die aus ihr wirken, und die neuen Kapitel zu beschreiben, die in ihr aufscheinen. Das ist die Aufgabe, der sich die Fotografen der Agentur OSTKREUZ gestellt haben. Aus der ganzen Welt haben sie Bilder vom Werden und Vergehen dieser Stadt zusammentragen. Sie zeigen, wie sie als Ordos in China inmitten der Steppe entsteht und als Prypjat in der Ukraine von der Natur zurückgeholt wird. Wie sie als Lagos in Nigeria unkontrollierbar ineinander verwächst, sich in den Slums von Manila zu Klumpen ballt und als Detroit in den USA aus der Mitte heraus zerfällt. Wie sie als Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten über sich hinauswächst und als Gaza in Palästina dem Erdboden gleichgemacht wird. Wie sie als Las Vegas ganz vom Anschein, als Auroville aus dem Ideal und als Atlantis vom Mythos lebt. Was sich am Ende vor unseren Augen zusammensetzt, ist das Porträt einer Stadt, die alle Städte in sich vereint. Einer Stadt, die hinter unsere Erinnerung zurückreicht und unserer Vorstellung vorausgreift. Einer Stadt, die der Zeit enthoben wirkt und doch in jedem Moment genau die Stadt ist, die wir Menschen uns geschaffen haben. Die Menschen sind es, die sie werden und vergehen lassen. Sie kommen und fliehen, bauen auf und zerstören, hoffen und verzweifeln, drängen in die Mitte und stehen am Rand, suchen Gemeinschaft und bleiben allein. Sie sind es, die sich eine Sehnsucht erfüllen wollen. Den Ort, den sie sich dafür erfunden haben, nennen sie Stadt.“ Katalog HATJE CANTZ 2010DIE STADT. VOM WERDEN UND VERGEHEN Hrsg. OSTKREUZ – Agentur der Fotografen,Vorwort von Marcus Jauer, Protokolle von Marcus Jauer, Anne-Dore Krohn,Nachwort von Felix HoffmannDeutsch, Englisch, 2010.296 Seiten, 170 Abb., 130 farbig, 40 in Duplex 29,10 x 31,60 cm, gebunden, € 39,80ISBN 978-3-7757-2659-7Öffentliche Führungen04. November 2010 Maurice Weiss und Dawin Meckel 12.30/ 18.00 Uhr23. Januar 2011 Heinrich Völkel 12.30/ 15.00/ 18.00 UhrDIE FOTOGRAFENSibylle Bergemann Jörg Brüggemann Espen Eichhöfer Annette Hauschild Harald Hauswald Pepa Hristová Andrej Krementschouk Ute Mahler Werner Mahler Dawin Meckel Thomas Meyer Julian Röder Frank Schinski Jordis Antonia Schlösser Anne Schönharting Linn Schröder Heinrich Völkel Maurice Weiss DIE STÄDTEOrdos, Inner Mongolia, China Dubai, United Arab EmiratesMoscow / Istanbul / LondonManila, the PhilippinesTokyo, JapanBerlin, GermanyShanghai, ChinaLas Vegas, USADetroit, USAFlorence / Liverpool / Reykjavik / MinskPripyat / Chernobyl, UkraineLagos, NigeriaAuroville, IndiaGaza City, Palestinian territoriesBerlin, GermanyUshuaia, ArgentinaDe Haan / Krakow / New York / Offenbach

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